Bis zu 500 Kamele pro Treck: Wie die „Dabouka“ aus dem Sudan zum Markt in Shalatin zieht
Hunderte Kamele überqueren zu Fuß die Grenze aus dem Sudan nach Ägypten. Geführt von erfahrenen Treibern, die die Wüstenbrunnen kennen, passieren sie die Veterinärquarantäne am Übergang Ras Hadarba und ziehen dann entlang der Straße Halayeb–Abu Ramad–Shalatin zu einem der größten Kamelmärkte Ägyptens – so schildert es ein Händler aus Shalatin gegenüber Youm7.
22. Oktober 2026

Herden von bis zu etwa 500 Kamelen laufen aus dem Sudan nach Ägypten und weiter zum Kamelmarkt von Shalatin im Süden des Gouvernements Rotes Meer. Die Reise wird vor Ort „Dabouka“ genannt. Das berichtet Saleh Moussa, Kamelhändler in Shalatin, in einem am 22. Oktober veröffentlichten Bericht der ägyptischen Tageszeitung Youm7. Der Markt gilt dem Bericht zufolge als einer der größten und bekanntesten Kamelmärkte Ägyptens.
Eine Dabouka bricht auf, sobald sich an festgelegten Sammelpunkten im Sudan größere Zahlen von Kamelen eingefunden haben, sagt Moussa. Von dort gehen die Herden zu Fuß weiter, geführt von Treibern, die genau das als Hauptberuf ausüben: Kamele vom Sudan nach Shalatin bringen. Sie kennen die Wüstenrouten zwischen beiden Ländern, die Gebirgspfade und die Lage der Brunnen am Weg.
Quarantäne am Übergang Ras Hadarba
Erste offizielle Station in Ägypten ist der Landübergang Ras Hadarba. Dort kommt nach der Schilderung gegenüber Youm7 jedes Kamel in Quarantäne und wird von Tierärzten untersucht; sie prüfen den Gesundheitszustand und geben die vorgeschriebenen Impfungen und Dosen, bevor die Herde weiterziehen darf. Die Kontrollen am Übergang dauern einen bis zwei Tage und können sich je nach Zahl der angekommenen Tiere länger hinziehen.
Sind die Tiere freigegeben, ziehen die Karawanen entlang der Straße weiter, die Halayeb, Abu Ramad und Shalatin verbindet, bis sie den Markt erreichen. Dort beginnt der Handel mit Käufern aus verschiedenen Gouvernements. Die Treiber arbeiten für die Eigentümer und Händler und sind für die Tiere verantwortlich, bis diese im Markt übergeben werden.
Brunnen – und Marschieren bei Tageslicht
Die Brunnen entlang der Route sind die Lebensadern der Reise. An ihnen halten die Karawanen, um Tiere und Menschen zu versorgen – vor Ort „Saqaya“ genannt. Die Treiber wissen genau, wo die Brunnen liegen und welchen Stämmen sie gehören, heißt es in dem Bericht, und sie wählen Rastplätze, an denen sich die Kamele vor der nächsten Etappe erholen können.
Gelaufen wird trotz der Hitze bei Tageslicht; nachts vermeiden die Treiber den Marsch, weil die Gebirgspfade im Dunkeln schwer zu finden sind und die Dunkelheit Risiken für Tiere und Menschen mitbringt. Jede Gruppe von Kamelen trägt die Zeichen ihres Eigentümers oder des zugehörigen Händlers, damit die Tiere bei der Ankunft in Shalatin zugeordnet werden können.