El Quseir verschiffte 1916 Ägyptens erstes Phosphat – die italienische Kolonie und der Friedhof stehen noch
Das Schiff „Kafy“ verließ 1916 den alten Hafen von El Quseir mit Ägyptens erster Phosphat-Ausfuhr nach Indien. Die Minen, das italienische Viertel und der Friedhof mit 24 Italienern und einem Kind sind bis heute in der Stadt erhalten.
15. Oktober 2026

In El Quseir, der Küstenstadt am Roten Meer zwischen Safaga und Marsa Alam, begann Ägyptens Phosphatindustrie – und die Spuren davon stehen bis heute in und um die Stadt.
Einem Bericht der ägyptischen Tageszeitung Youm7 zufolge kam der Wendepunkt 1912, als eine italienische Bergbaumission in El Quseir eintraf, nachdem die Ägyptisch-Italienische Phosphatgesellschaft mit Mitteln der Bank von Rom gegründet worden war. Danach begannen Erkundung und Abbau in großem Maßstab in den Bergen rund um die Stadt.
Mohamed Abu El-Wafa, Leiter der archäologischen Öffentlichkeitsarbeit bei der Antikenbehörde des Roten Meeres, sagte der Zeitung, der alte Hafen von El Quseir habe 1916 einen historischen Moment erlebt: Damals legte das Schiff „Kafy“ mit der ersten Ladung ägyptischen Phosphats nach Indien ab – die erste Phosphat-Ausfuhr Ägyptens ins Ausland.
Das Erz sei mit den damals modernsten Mitteln an die Kaimauer gebracht worden, so Abu El-Wafa: Die Gesellschaft nutzte Seilbahnnetze und Eisenbahnen, um es von den Bergminen zum Seehafen zu transportieren. Tausende Arbeiter, Techniker und Verwaltungsangestellte waren in den Minen und Produktionsstätten beschäftigt, und El Quseir wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Zentren der Phosphatproduktion und -ausfuhr im Nahen Osten. Die ägyptischen Arbeitskräfte kamen aus dem ganzen Land, besonders aus den Gouvernements Oberägyptens.
Das Viertel, das die Italiener „die Kolonie“ nannten
Viele Italiener ließen sich in diesen Jahren in der Stadt nieder und bauten ein eigenes, vollständiges Viertel, bekannt als al-Mustaamara – „die Kolonie“. Dort gab es alle Gewerbe und Dienste, die die Bewohner brauchten: Ärzte, Lehrer, Bäcker, Friseure und andere Handwerker arbeiteten hier, sodass eine eigenständige Gemeinschaft entstand, die unmittelbar an den Bergbau gebunden war.
Mehr als fünf Jahrzehnte lang blieben die Italiener im Phosphatabbau und -export tätig. Das bekannteste Zeugnis, das sie hinterließen, ist der italienische Friedhof von El Quseir. Dort liegen die Überreste von 24 italienischen Führungskräften und Arbeitern sowie eines Kindes. Eine große Marmortafel hält ihre Namen und ihre Geburts- und Sterbedaten fest.
Wasfi Tamir, ein Einwohner von El Quseir, der sich mit dem Erbe der Stadt befasst, sagte, die Gräber seien einfach und auf besondere Weise angelegt worden: mit senkrechten und waagerechten, oben zugespitzten Steinplatten statt der teuren herkömmlichen Steingräber. Zwei italienische Familien hätten die Überreste ihrer Angehörigen später mit einem Privatflugzeug nach Italien überführt; die leeren Transportkisten hätten danach noch einige Zeit neben den Gräbern gestanden – daran erinnere sich die Stadt bis heute.
Ein königlicher Befehl für die Friedhofsmauer
1926 besuchte König Fuad I. El Quseir, um die Mine am Gebel Duwi zu eröffnen, und ordnete an, eine Mauer um den italienischen Friedhof zu errichten, um ihn als Teil der Stadtgeschichte zu schützen und zu erhalten. Eine spätere Verbreiterung der Hauptstraße nahm einen Teil der Friedhofsfläche weg, doch er ist noch vorhanden.
El Quseir ist laut dem Bericht eine der ältesten Städte am Roten Meer und hat Kulturen von der pharaonischen Zeit bis in die Gegenwart erlebt. Ihr historischer Hafen war ein Umschlagplatz für den Handel und für Pilger auf dem Weg ins Heilige Land, bevor die Stadt der erste Ort Ägyptens wurde, an dem Phosphat in großem Maßstab abgebaut wurde. Die Reste der Minen, der alte Hafen, die italienische Kolonie und der historische Friedhof sind, was von diesem Jahrhundert des Bergbaus und der Verschiffung geblieben ist.