Nördliches Rotes Meer kommt laut erster globaler IUCN-Bewertung mit am besten zurecht
Die erste IUCN-Rote-Liste der Riff-Ökosysteme zählt das nördliche Rote Meer zu den Riffen, die wiederholte Hitzewellen überstanden haben. Laut HEPCA gilt dennoch jede Ökoregion des Roten Meeres als vom Kollaps bedroht.
25. Oktober 2026

Das nördliche Rote Meer gehört zu den wenigen Riffregionen, die ihre Korallen durch wiederholte marine Hitzewellen hindurch bewahrt haben. Das geht aus der ersten weltweiten Bewertung von Korallenriffen im Rahmen der IUCN-Roten Liste der Ökosysteme hervor.
Die Bewertung umfasst 127 Korallenriff-Ökosysteme in mehr als 80 Ländern und Gebieten. Mehr als 250 Fachleute in zehn regionalen Teams haben sie erstellt, koordiniert von der IUCN, der University of Melbourne und CORDIO East Africa gemeinsam mit den regionalen Netzwerken des Global Coral Reef Monitoring Network.
Die IUCN nennt das nördliche Rote Meer neben Papua-Neuguinea, West-Kiribati und Bermuda als Ökoregion, die wiederholte Hitzewellen erlebt hat und dennoch ihre Korallen sowie ein gesundes Verhältnis von Korallen, Algen und Fischen behalten hat. Solche Riffe zuerst zu schützen, steht bei den empfohlenen Maßnahmen an erster Stelle.
Widerstandsfähig heißt nicht unverwundbar
Die in Hurghada ansässige Umweltorganisation HEPCA, die die Ergebnisse am 24. Oktober in einem öffentlichen Beitrag für diese Küste eingeordnet hat, verweist darauf, dass das nördliche Rote Meer anhand der beobachteten Veränderungen der vergangenen 50 Jahre als gefährdet (Vulnerable) eingestuft ist, während Riffe weiter südlich stärker bedroht sind. Werden der projizierte Klimawandel und künftiger Hitzestress einbezogen, gelten laut HEPCA alle vier Korallenriff-Ökoregionen des Roten Meeres und des Golfs von Aden als vom Kollaps bedroht (Critically Endangered).
Das entspricht dem weltweiten Befund. 122 der 127 bewerteten Riff-Ökosysteme, also 96 Prozent, gelten als vom Kollaps bedroht, sobald künftige Risiken einbezogen werden; sie machen 99,8 Prozent der bewerteten Rifffläche aus. Allein auf Basis der beobachteten Veränderungen der vergangenen 50 Jahre sind 116 Ökosysteme bedroht, 30 davon bereits vom Kollaps bedroht. Ein Ökosystem, die westlichen Galápagos-Inseln, ist bereits kollabiert.
Die IUCN betont, dass vom Kollaps bedroht nicht gleich kollabiert bedeutet: Die meisten Riffe tragen weiterhin lebende Korallen und funktionieren als Riff-Ökosystem.
Was vor Ort noch wirkt
Marine Hitzewellen sind die größte Bedrohung in der Bewertung, doch ein erheblicher Teil des Risikos geht auf lokalen Druck zurück. In 63 Prozent der bewerteten Riff-Ökosysteme ist das Gleichgewicht zwischen Korallen, Algen und Fischen gestört: Überfischung von Papageifischen und Räubern wie Zackenbarschen sowie Verschmutzung und Sedimenteintrag begünstigen Algen auf Kosten der Korallen.
Lokale Maßnahmen können marine Hitzewellen nicht aufhalten, so die IUCN, wohl aber den übrigen Druck verringern und den Riffen bessere Chancen geben, sich zwischen den Hitzewellen zu erholen. Die IUCN weist zudem auf dünne Monitoringdaten in einigen Gebieten hin, darunter der Golf von Aden.