Forscher: Walhai-Sichtungen belegen noch keinen dauerhaften Lebensraum im Roten Meer
Ahmed Wahballah vom Institut für Meereswissenschaften nennt die Sichtungen vor Hurghada, Safaga und Marsa Alam untersuchungswürdig, verlangt aber Langzeitdaten zu Wanderwegen und Jahreszeiten.
23. Oktober 2026

Wiederholte Walhai-Sichtungen im Roten Meer sind untersuchungswürdig, reichen allein aber nicht aus, um die Region als dauerhaften Lebensraum der Art zu bezeichnen. Das sagte Dr. Ahmed Wahballah, Direktor des Instituts für Meereswissenschaften, gegenüber Sada El Balad. Für einen solchen Schluss brauche es über längere Zeit erhobene wissenschaftliche Daten, die Wanderwege und Erscheinungszeiten des Tieres zeigen.
Der Hai, den Taucher und Fischer „Bahloul“ nennen, rückte wieder in den Blick, nachdem er im Giftun-Gebiet zwischen Magawish und Abu Ramada gesichtet wurde – bei einer Seepatrouille zur Beobachtung und zum Schutz des Meereslebens.
Wahballah beschreibt den Walhai als größten bekannten Fisch der Welt: Er erreicht rund 12 Meter Länge und kann mehr als 20 Tonnen wiegen. Er filtert Wasser nach Plankton und kleinen Meeresorganismen und ist für Menschen von Natur aus nicht gefährlich.
Diese Größe macht die Annäherung jedoch nicht harmlos – weder für Schwimmende noch für das Tier. Ihn mit Booten zu verfolgen, seinen Körper berühren zu wollen oder ihm für ein Nahfoto den Weg abzuschneiden, widerspricht den Regeln für verantwortungsvollen Umgang mit Meerestieren.
Die Beobachtungsregeln
Leitlinien, die den Schutzgebieten des Roten Meeres zugeschrieben werden, besagen: den Hai nicht berühren, nicht verfolgen und nicht mit Booten einkreisen, nicht vor ihm schwimmen und ihm nicht den Weg abschneiden, kein Blitzlicht benutzen und keine Bewegungen machen, die ihn stören können. Zu den Anweisungen im vorliegenden Fall gehören:
- Mindestens drei Meter Abstand vor dem Fisch und vier Meter hinter ihm halten
- Den Hinweisen der Verantwortlichen der Meeresschutzgebiete und der Tauchbasen folgen
- Sich nicht um das Tier versammeln und nicht versuchen, es an einem Ort zu halten
Sichtungen wurden an mehreren Stellen des Roten Meeres erfasst, darunter Hurghada, Safaga und Marsa Alam. Das gibt Forschenden die Möglichkeit, Informationen über die Bewegungen des Tieres und die Umstände seines Auftretens zu sammeln.
Dr. Mahmoud Dar, früherer Direktor des Instituts für Meereswissenschaften und Fischerei in Hurghada, sagt, der Schutz der Art ende nicht beim Verbot von Fang und direkter Schädigung. Dazu gehöre auch, Verschmutzung zu begrenzen, den natürlichen Lebensraum zu erhalten und das Bewusstsein bei Beschäftigten im maritimen Gewerbe, bei Touristen und bei Tauchern zu stärken.
Der Tourismusfachmann Essam Ali sieht in der Walhai-Beobachtung eine Chance für den Ökotourismus am Roten Meer, die aber Veranstalter und Tauchbasen unmittelbar in die Pflicht nehme: für ein sicheres Erlebnis, das auf Aufklärung und Einhaltung der Regeln beruht und nicht auf dem Verfolgen von Meerestieren oder übermäßiger Annäherung. Dazu zählten die Schulung von Tauchguides im Umgang mit empfindlichen Arten, die Unterrichtung der Gäste vor Beginn der Fahrten und die Aufforderung, Sichtungen zu dokumentieren und zu melden, damit die Forschung sie nutzen kann.